Ein Besuch im Igelkrankenhaus

Heute berichte ich einmal etwas über die Igel. Ich bin nämlich eine große Freundin dieser kleinen Piekser. Schon als ich noch ein kleiner Welpe war, habe ich mich für die Igelchen interessiert: was sind denn das nur für komische stachelige Gesellen, die sich zusammenrollen können wie ein Ball? Frauchen und Oma haben mir erklärt, daß ich den Igeln nichts zuleide tun darf, und nachdem ich mir mal beim Beschnuppern meine empfindliche Nase gestochen habe, bin ich - schon im eigenen Interesse - sehr vorsichtig gworden. Wenn ich jetzt einen Igel entdecke, bleibe ich einfach wortlos davor stehen oder setze mich hin, "Passives Anzeigen" nennt man das bei den hauptberuflichen Suchhunden.

So  geschah es auch an einem stürmischen Abend im letzten Herbst, als Frauchen - "der Boss" - und ich noch unseren letzten "Streifengang" durchs nahe gelegene Gewerbegebiet machten. Da entdeckte ich unter einer großen Zeder, nahe am Zaun eines Firmengeländes, einen kleinen Piekser, der zwischen weggeworfenen Kaffeebechern und anderen Abfällen (Menschen können echte Ferkel sein!) im Gras lag. Ich blieb also stehen und schaute meine Hundeführerin sehr eindringlich an. Sie bückte sich, um nachzusehen, was ich gefunden habe, und da sah sie den Igel auch. (Zum Glück trage ich immer eine kleine Taschenlampe an meinem Geschirr, damit ich im Dunkeln besser gesehen werde und Frauchen besser sehen kann, wo ich meine neugierige lange Nase mal wieder reinstecke.) Frauchen meinte, wir sollten die Naturschützer vom Igelkomitee Hamburg, die ihren Stützpunkt in der nahen Kleingartenkolonie haben, informieren, und das haben wir dann auch getan. Herr Goroncy, der freundliche Leiter der Igelstation, bat uns, den Igel in den nächsten Tagen mal in die Station zu bringen, damit er ihn sich anschauen und den Gesundheitszustand beurteilen kann. Am nächsten Abend haben wir uns dann mit einem  Schuhkarton "bewaffnet" und sind wieder zu der Zeder gegangen. Tatsächlich saß unser Igelchen dort wieder, und so hat Frauchen es flugs in den Karton gepackt, und wir sind zur Igelstation gegangen. Auf dem Weg dorthin habe ich neben einer Telefonzelle noch einen kleinen Piekser gefunden, den haben wir auch noch eingesammelt. Am liebsten hätte ich noch viel mehr Igel gerettet, aber meine Hundeführerin meinte: "Nein, Brankalein, mehr Igel können wir nicht mitnehmen, der Karton ist jetzt voll!" In der Igelstation hat Herr Goroncy die beiden Piekserchen gewogen und uns dann anhand der Markierungspunkte auf dem Stachelkleid erklärt, daß es sich bei den beiden um zwei Igeldamen namens "Zedi" (weil sie unter der Zeder wohnt) und "Türi" (weil sie mal vor der Tür der Igelstation gefunden wurde) handelt. Er hat uns dann noch viele interessante Dinge über Igel erzählt, das war sehr lehrreich. Zedi und Türi waren übrigens groß und schwer genug, um wieder in die Freiheit entlassen zu werden und in ihren Nestern zu überwintern. Herr Goroncy hat sich gefreut, daß wir so aufmerksam waren, und daß ich so ein braver Hund bin, der den Igeln nichts tut, und dann hat er uns eingeladen, das Igelkrankenhaus anzuschauen.

Ein paar Tage später war es dann soweit, und wir haben einen Besuch bei Familie Goroncy in der Igelstation gemacht. Frauchen hatte extra ein Paket Igelfutter als Gastgeschenk gekauft. Herr Goroncy hat uns die Schlafhäuser der Igel gezeigt, wo bereits sich einige "Pensionsgäste " zur Überwinterung eingefunden hatten. Außerdem gibt es noch ein Mutter-und-Kind-Haus, die Futterküche und natürlich die Krankenstation. In der Krankenstation werden kranke, schwache und verletzte Igelchen medizinisch versorgt und wieder gesundgepflegt. Frau Goroncy hat uns erzählt, daß den Igeln in Freiheit viele Gefahren drohen, z. B. durch elektrische Gartengeräte, achtlos weggeworfene Plastikverpackungen und durch den Straßenverkehr. Leider gibt es auch viele gedankenlose Hundehalter, die es zulassen, daß ihre Hunde einen Igel als lebendiges Spielzeug betrachten und totquälen. Es macht mich immer wütend und traurig, wenn ich so etwas höre, und Frauchen hat schon viele andere Hundehalter darauf angesprochen und um Verständnis für die kleinen Piekser geworben. Die meisten waren erstaunt und auch betroffen, denn sie hatten sich noch nie mit diesem Problem befaßt und wußten dementsprechend wenig über die Igel. Jeder Hund kann lernen, einen Igel in Ruhe zu lassen. Ich jedenfalls liebe die Igelchen und freue mich, daß ich als Hund mit ins Igelkrankenhaus kommen darf, um sie zu besuchen und um das "Igel-Journal" abzuholen, welches immer viele interessante Informationen enthält.

Das nachfolgende Foto wurde uns vom Igelkomitee Hamburg freundlicherweise zur Verfügung gestellt, dafür ein herzliches Dankeschön!

 

Im Januar 2010 haben wir wieder einen Besuch in der Igelschutzstation gemacht. Zur Zeit sind die meisten Igel in der Winterruhe, doch es gibt auch viele kranke und schwache Igelchen, die nicht schlafen. Mein Boss und ich haben eine Futterspende gebracht und uns das neue, aktuelle "Igel-Journal" gekauft. Herr Goroncy freute sich sehr, daß wir ihn mal wieder besucht haben. Er war gerade dabei, die Krankenstation sauber zu machen und die Futterrationen zuzubereiten. Da kam unsere Tüte mit Igelfutter gerade richtig! Herr Goroncy hat uns erzählt, daß es leider immer wieder passiert, daß Hunde Igelnester kaputtmachen und die Igel  aus ihrem Winterschlaf reißen. Das kann für die kleinen Piekser dann tödlich enden. Deshalb waren wir sofort bereit, den folgenden Link in unsere Igelgeschichte aufzunehmen und so noch einmal auf dieses Problem aufmerksam zu machen:

http://www.igelkomitee-hamburg.de/Igel%20und%20Hund.html

Ich bin hier in meinem Ortsteil übrigens einer der wenigen Hunde, die in der Igelstation jederzeit willkommen sind. Darüber freue ich mich sehr.



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