Das bin ich

Ich bin eine Langhaarige Schottische Schäferhündin (Rough Collie) und heiße Branka. Das ist ein serbischer Name und bedeutet "die Verteidigerin". Gelegentlich nennen meine Menschen mich auch Zerbeline oder Zerbi, denn wenn ich schlechte Laune habe, benehme ich mich gern mal wie ein Zerberus und kann eine richtige kleine Gewitterhexe sein. Mein schroffes Lachen (Bellen) ist nichts für empfindsame Gemüter. Meistens bin ich aber ein braves Hundemädchen und zu allen Zwei- und Vierbeinern sehr freundlich.

Meine Leute haben übrigens viele nette Namen für mich gefunden: Pinselohr/-öhrchen (wegen der Haarpinsel auf meinen Ohren), Schnuckikind, Hexihex, Wackelschwanz (wegen meines Hüftschwungs, mit dem ich alle Hundejungs total verrückt mache), Stauff bzw. Stäuffchen (weil ich manchmal eine wahre "Widerstandskämpferin" bin - und sowohl die Oma als auch der Boss den Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg sehr schätzen), Prilblümchen, süßes Mädchen, Partyhuhn, Puschelchen - aber auch Schlutterpelz und Hundeschwein. Manchmal nennt mein Boss mich auch EOD (Egenbüttler Ober-Dreckferkel). Dieser Name ist selbsterklärend, wenn man mich nach einem Spaziergang durch Wald und Feld sieht - obwohl EOD ja eigentlich eine andere Bedeutung hat (Explosive Ordnance Disposal).

Mein Geburtsname lautet "Memory's Dreams Come True". Ich habe am 16. Februar 2007 in Hamburg-Rissen zusammen mit 
drei Schwestern und zwei Brüdern das Licht der Welt erblickt. Meine Schwester "Memory's Déjà-Vu" lebt inzwischen leider nicht mehr, und ich hoffe für sie, daß sie in den ewigen Jagdgründen ein schönes Hundeleben führen kann.

Leider bin ich schon krank auf die Welt gekommen. Ich leide an der Krankheit "Collie Eye Anomaly" (CEA) und bin gegen vieles allergisch. Außerdem hat ein Bluttest das Ergebnis "MDR 1+/-" ergeben. Das bedeutet, daß ich Träger des für den Blut-Hirn-Schranken-Defekt verantwortlichen Gens bin und bestimmte Medikamente für mich lebensbedrohliche Nebenwirkungen haben können. Doch ich hatte Glück, denn ich wurde von lieben Menschen adoptiert, die mich trotz meiner Behinderung von ganzem Herzen lieben und alles für mich tun, damit ich ein schönes Hundeleben habe.

Meine Menschenfamilie war lange Zeit ratlos, weil ich so ängstlich war und mich in vielen Alltagssituationen nicht zurechtgefunden habe. Schließlich haben sie bemerkt, daß ich nicht richtig sehen kann, und drei Tierärzte haben dann unabhängig voneinander die traurige Diagnose CEA gestellt. 
Die sogenannte Collie-Augen-Anomalie (Collie Eye Anomaly = CEA) ist eine weitverbreitete Entwicklungsstörung der Aderhaut bei Collies, Border Collies und Shelties. In den meisten Fällen sind die klinischen Auswirkungen gering. In Einzelfällen kann es aber zur Erblindung des betroffenen Hundes im Alter von wenigen Wochen bis Monaten bzw. gravierenden Einschränkungen des Sehvermögens kommen. Die Veränderung ist bei Welpen im Alter von 6 bis 8 Wochen am deutlichsten zu erkennen und manifestiert sich oft nur als hellrote Verfärbung neben der Sehnervenscheibe. Es kann aber auch zu Missbildungen des Sehnerven, so genannten Kolobomen, kommen, hierbei handelt es sich um Ausbuchtungen der Netzhaut im Bereich des Sehnervenkopfes. Bei der schlimmsten Form der CEA kommt es durch Blutgefäßveränderungen zu Blutungen an der Netzhaut. Dies kann eine Netzhautablösung zur Folge haben, was zur Erblindung des Hundes führt. Eine Behandlung ist nicht möglich, ich werde also bis an mein Lebensende mit dieser Krankheit leben müssen.

Unabhängig davon besteht noch eine weitere starke Seheinschränkung, für die keiner der Ärzte eine Erklärung hat, denn ich kann mit meinem rechten Äuglein nur hell und dunkel unterscheiden. Dadurch fehlt mir das räumliche Sehvermögen, ich bin praktisch einäugig. Irgendwann kann ich vielleicht gar nichts mehr sehen, deshalb habe ich bei meinem damaligen Trainer Alf alles gelernt, was ich wissen und können muß, um mich eines Tages auch in völliger Dunkelheit zurecht zu finden. Leider kann ich wegen meiner Sehbehinderung keine Schutzhundausbildung machen. Aber jetzt macht es mir Spaß, im Rahmen meiner Möglichkeiten immer etwas Neues zu hinzuzulernen. So kann ich zum Beispiel rechts und links unterscheiden, kenne den Befehl "Kehr um" und habe gelernt, auf Treppen usw. "rauf" und "runter" zu unterscheiden. Dies alles kann mir eines Tages das Leben als blinder Hund erleichtern. Und meine "Menscheneltern" lernten bei Alf, gute Hundeführer zu werden, die mich trotz oder gerade wegen meiner Defizite mit Liebe und Konsequenz fördern und auch fordern. Denn auch wenn ich nicht ganz gesund bin, bin ich doch ein ganz normaler Hund und muß nicht aus lauter Mitleid verweichlicht und "in Watte gepackt" werden.

Meine Züchter streiten übrigens bis heute ab, daß ich an CEA leide, auch wenn inzwischen eine tierärztliche Bescheinigung auftauchte, in der dokumentiert ist, daß bei mir schon im Alter von fast 2 Monaten der Verdacht auf diese Erkrankung bestand. Dieser Augenbefund wurde meinen Käufern bewußt vorenthalten. Aber meine Menschenfamilie würde mich sowieso nicht wieder hergeben, denn schließlich bin ich für sie der beste Hund der Welt!


Mit meinen Allergien war es ähnlich, auch das hat eine Weile gedauert, herauszufinden, was ich alles nicht vertrage. Ich war hyperaktiv, hatte nervöse Tics und schlimme Hautprobleme, die mich sehr gequält haben. Deshalb mußte mein Fell ganz kurz geschnitten werden. Außerdem hatte ich immer wieder mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen, und ich bin noch heute sehr empfindlich beim Fressen. Doch ich bekomme jetzt ein Spezialfutter, dazu nur allergikergerechte Hundekekse und Knabbersachen, und nun geht es mir endlich richtig gut. Die Kurzhaarfrisur hat meinen Menschen und mir übrigens so gut gefallen, daß ich jetzt regelmäßig zum Hundefriseur gehen darf.

Übrigens bin ich, wie alle Collies, ein echtes "Sprachtalent"! Mein Repertoire umfaßt Bellen, Jaulen, Heulen, Jodeln, Kreischen - kurz, alles was die Stimmbänder so hergeben. Ich kann ordentlich und akzentfrei "Wau" und "Wuff" sagen, und auch so etwas wie "Miau" gelingt mir. Als Blaulichtfan von Welpenbeinen an imitiere ich auch gern mal ein Starktonhorn, und ich führe Selbstgespräche, z. B. wenn ich mit meinen Plüschtierchen spiele, mich putze oder mit einer kniffeligen Denkaufgabe beschäftigt bin: ich knurre, grunze, brabbele, kiekse oder sage "hmmm, hmmm" - das finden alle Zweibeiner immer ganz lustig. Als echter Sauköter rülpse und gähne ich immer sehr geräuschvoll - aber eine feine Dame will ich ja sowieso nicht werden. Wenn ich mal schlechte Laune und/oder Langeweile habe, weil keiner der "Oldies" mich bespaßen will, nerve ich meine Umgebung mit einem minutenlangen sonoren Knurren und Brummen, das annähernd so melodisch wie eine Bohrmaschine klingt. Als guter Wachhund verbelle ich alle ungebetenen Besucher, und auch willkommene Gäste werden erstmal lautstark begrüßt - das ist dann aber ein Ausdruck meiner Freude und heißt in meiner Sprache "Guten Tag!".


                  
 Hier seht ihr mich mit dem weltbesten Frauchen...                                              ...und hier mit der besten Oma von allen!









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